LEBEN IN GEFANGENSCHAFT
LEBEN IN GEFANGENSCHAFT

DAS UNWETTER

Auf dem Heimweg fing es an zu regnen. Ich wahr so schon übermüdet und jetzt hatte ich eine und eine halbe Stunde Heimfahrt, mit einer Sicht gleich null und das, weil es regnete wie aus Kübeln. Zuhause angekommen galt meine angst nicht mehr Josef, ob er nachhause kommen würde, oder schon zuhause war, denn es regnete inzwischen so stark, das es drohte eine Überschwemmung zu geben. Immer und immer schauten wir abwechslungsweise in unsere Keller, um zu überprüfen ob da schon Wasser stand. Es machte den Anschein, das wir verschont blieben und so, bereitete ich uns ein Nachtessen zu. Nach dem Essen wollte mein Sohn noch einmal einen Kontrollgang machen und so kam er dann auch postwendend zurück und schrie. „ Mammi komm schnell das Wasser steht mir bis zu den Oberschenkeln!“

Wir stürmten alle drei ohne jeglichen Regenschutz aus dem Haus, nein im Gegenteil ich zog mir vor dem Haus die Schuhe aus denn, das Wasser stand in den Kellern so hoch, dass Stiefel so oder so nichts genutzt hätten. Wir versuchten alle drei möglichst viel aus den Kellern zu retten, denn da lagerten meine Ricardo und Flohmarkt Wahren, und diese Brachten mir immerhin ein wenig Sack-Geld ein.

Es wahr eigentlich ein Kampf, der nicht zu gewinnen wahr. Also, versuchten wir in dem einen Keller das Wasser möglichst abzuhalten mit Plastik und Brettern und im anderen, schauten wir das Wasser das sich aus allen Ritzen einen Weg suchte, auch wirklich ablaufen konnte.

Alls ich mich im hinteren Keller befand, bemerkte ich, das bei unserem Nachbarn niemand zuhause wahr. Um dessen Haus machte ich mir eigentlich keine Sorgen, aber er hatte unten im Keller Geschoss Schafe. Ich erinnerte mich, das auch einige verletzte Jungtiere dabei wahren und ehrlich gesagt, wusste ich nicht wie gut Schafe schwimmen.

Ich kletterte mit meinen nun pitsch nassen Kleidern über den Zaun, der unsere Grundstücke trennten und da sah ich auch schon die Katastrophe.

Hinter dem Haus, wo sich der Stall der Schafe befand, wahr jetzt ein See. Von dem über hohen Miststock sah man praktisch nichts mehr. Fon den Schafen hörte man jedoch nichts, was mich eher beunruhigte. Ich schaute mich um, aber auch in dem angrenzenden Hügel war keines der Tiere zu sehen. Ganz klar, diese waren vor dem regen in den Stall geflüchtet. Ich musste mich also, durch den mit Mist durchtränkten kleinen See kämpfen, um Klarheit zu bekommen was mit den Tieren wahr.

Das Wasser kam mir bis zum Bauch, es wahr ekelhaft schmutzig und kalt, aber das schlimmste wahr, mit nackten Füssen auf dem aufgeweichten verschlammten Boden zu laufen. Bei jedem Schritt den man machte, wusste ich nicht, auf was ich trat. Da wahr der Schlamm und Schafskot der sich durch das Wasser auf dem ganzen Fläche verteilt hatte, ja noch das harmloseste. Da der Bauer nicht gerade der Ordentlichste wahr, wusste Ich auch nie ob ich eventuell auf einen Nagel treten würde. Das schlimmste aber wäre wohl ein totes Tier gewesen. Als ich mich zu der Tür des Stalles durchgekämpft hatte, sah ich die Schafe eng aneinander gedrückt in einer Ecke stehend. Auf ungefähr zwei Quadrat Metern Standen die fünfzehn Schafe auch völlig durchnässt, aber wohlauf. Einige der kleinsten Lämmer, versuchten immer wieder, sich auf ihre Einigermassen trockene Insel, zu retten. Ich hatte die Tierchen den Sommer durch oft getränkt, und auch wenn sie aus ihrem Gehege ausgebrochen wahren, schaute ich das sie wider zurück in ihren Auslauf marschierte.

Das wahr nicht etwa mein Job nein, der Bauern wahr über den Sommer auf einer Schafs-Alp und diese Tiere wahren durch Verletzungen oder weil sie Neugebohren und zu schwach für die Wanderungen wahren auf seinem Hof zurück geblieben.

Die Tante von Adolf, so hiess er, wahr schon weit über achtzig Jahre alt, und wahr oft überfordert mit diesen Arbeiten, da konnte ich nicht einfach zuschauen und nahm ihr so einige Tätigkeiten ab.

Ich versuchte die Tiere zu zählen was sich bei diesem Wollknäuel als sehr schwierig erwies. Es wahren alle fünfzehn. Ich entschloss mich notbedürftig einen Zaun zu stellen, damit die zum Teil verletzten Kleinen Lämmer nicht aus lauter Panik in diese Brühe sprangen und ertranken.Da das ganze Stroh und der Kot der Tierchen im Stall noch höher stand, das Wasser somit noch schwieriger wahr zu durch waten, erwies sich das basteln eines Abgrenzungs- Zaunes als sehr schwierig.

Schafe im wasser
Schafe im wasser

„Geschafft!“ Also, zurück ich musste irgend einen Bauern erwischen der mehr verstand von Schafen als ich. Endlich wieder auf festen Boden, rannte ich zur Nachbarin, die wahr hier aufgewachsen und kannte somit das halbe Dorf.

Es musste sich herausstellen, das kein Mensch sich um die Schafe kümmern konnte, da das ganze Dorf mit Hochwasser kämpfte und in so einem kleinen Dorf die meisten Männer in der Feuerwehr wahren und somit irgendwo im Einsatz wahren. Und wieder einmal lag es an mir irgend eine Lösung zu finden. Monika und ich beschlossen die Schafe aus dem Stall zu jagen denn auf dem Hügel der an das Überschwemmte Land angrenzte, wahren sie sicherer. Denn so wie es aussah, stieg das Wasser noch und wenn ich sie weiterhin im Stall einsperren würde, währe auch ich schuld, wenn die Tiere in ihrem Gehege  jämmerlich ertranken.

Also, zurück in die eiskalte Brühe. Das ganze konnte man nur mit Humor schadlos überstehen und so mahlten Monika und ich uns aus wie es wohl währe, wenn Adolf uns hier einen Pool bauen würde.

Unsere gute Laune verschwand jedoch, als wir wieder im Stall an kamen.

Nun schon ziemlich tief im Wasser besser gesagt in der Gülle stehend, drohten die kleinsten zu ertrinken. Wir besprachen uns so, das wir die Grossen aus ihrer Todeszelle jagen würden und uns dann die kleinen schnappen könnten. Nicht gerechnet hatten wir damit, das die in Panik geratenen Tiere, uns überrennen könnten.

Die älteren Schafe kämpften sich schwimmend durch den stinkenden Schlick und so konnten wir, die wir nun von Kopf bis Fuss in Gülle getränkt wahren, die kleinen Schnappen und sie dann am anderen ende der Dreck Pfütze ab zu setzen.

Ich hatte drei der kleinen stinkenden Wollknäuel unter den Armen und meine Tochter zwei. Nun war es noch schwieriger, mit den zappelnden schreienden Bündel durch das Wasser zu waten.

In Grossen Sätzen und anscheinend glücklich blökend verschwanden sie im Regen. Nun bestand nur noch die Gefahr eines Blitzschlages, aber ich konnte sie ja nicht gut in meine Küche nehmen. Dieses Risiko bestand nun einmal einfach.

Wir zwei nahmen unsere Keller noch einmal in Augenschein, da konnte auch nichts mehr gerettet werden. Jetzt wahr es Zeit das wir ins Trockene und vor allen dingen in die Wärme kamen. Da wir vollkommen durchnässt mit Mist und Gülle wahren, entledigten wir uns, all unserer Kleidung, hinter dem Haus, und betraten erst dann das Haus. Noch mehr frieren konnte ich ja nicht mehr.

Erst jetzt spürte ich das ich kaum noch gehen, vergessen mich bücken konnte. Nach einer Warmen Dusche und meinen Medikamenten musste mich keiner mehr in den Schlaf wiegen, mein Kopf wahr diese Nacht auch frei von Josef.

Am Morgen darauf, führten mich meine ersten Schritte in den Keller. Erst jetzt kam das ganze Unglück zum forschein. Ich besass ja wirklich nichts und jetzt hatte ich die dinge die ich noch mit einem Verkauf hätte zu Geld machen können, auch noch verloren. Das wahren bestimmt keine Reichtümer, aber für mich und meine Kinder bedeuteten diese Dinge etwas Freiheit oder auch Sackgeld. Ich  hätte weinen können, aber das hätte mich auch nicht weiter gebracht und ich musste für meine Kinder stark bleiben. Also, zuerst musste ich jetzt einen Kaffee haben, erst dann konnte ich klare Gedanken fassen und planen was jetzt als erstes zu tun wahr.

Die Kinder schliefen noch. Kein wunder, nach dieser Arbeit. Da ich unsagbare schmerzen hatte, wechselte ich mein Morphin Pflaster, denn ich sollte dieses alle drei Tage erneuern und das hatte ich gestern vergessen. Zusätzlich nahm ich noch eine Tablette und dann fing ich an. Als erstes musste ich meine zwei Kühltruhen wieder zum Laufen bringen. Diese hatten wir am Abend zuvor aus dem Keller gehievt, damit sie sich nicht voll sogen mit dem Dreckwasser.

In den Kellern war alles Wasser versickert, theoretisch konnte man sie wieder platzieren und das war auch wichtig damit sie wieder mit Strom versorgt wurden. Nach einem kurzen Blick in die Gefrierschränke, wusste ich, dass das Fleisch und Gemüse unversehrt geblieben wahr. Somit hatten wir doch schon einige Hundert Franken gerettet. Ich richtete den Platz wieder her wo sie zu stehen kamen. Den Rest des Kellers, da konnte ich noch nichts unternehmen, denn es regnete noch. Es regnete nur schwach aber um den Keller angehen zu können, müsste man alles an die Sonne legen um es zu trocknen. Hoffentlich würde schon bald besser Wetter, denn sonst würde mir alles grauen.

Also, hier war im Moment nichts mehr zu tun.

Somit blieb mir nichts anderes, als unseren Umzug an zu treiben und in der Wohnung Schachteln zu Packen. Justin kümmerte als er aufstand um das elektrische. Ihm ging es um einiges besser als noch gestern. Die Medikamente schienen gut anzuschlagen. Monika versuchte in ihrem Zimmer den Umzug voran zu treiben. Es wahr ein komisches Gefühl, sein ganzes Eigentum ein zu packen, obwohl keiner wusste wohin es gehen sollte. Ich wusste jedoch, das ich mich von diesen Gefühlen nicht aufhallten durfte, denn sonst würde unsere sonst schon knappe Zeit erst recht nicht reichen.